23.12.2017

Fragen an ... die Besucherorganisation

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Welchem Besucher ist schon präsent, wie sich der Alltag in einem Museum gestaltet, welche Aufgaben und Zuständigkeiten es gibt, wie viele Mitarbeiter es überhaupt gibt? Warum auch? Für ihn ist neben dem, was er sich ansehen möchte, vor allem die Person wichtig, die ihn im Eingangsbereich begrüßt, die für ihn Ansprechpartner für alle Fragen rund um seinen Museumsbesuch ist: Was kostet der Eintritt, wo wird die Garderobe verstaut, wo startet der Ausstellungsrundgang, wo findet man Informationen zu den Werken, was wird es in Zukunft für Ausstellungen und Veranstaltungen geben? Dasselbe gilt für den Anrufer, der entweder grundsätzliche Fragen zum Haus und seinen Öffnungszeiten hat, eine Führung buchen oder sich zu einer Veranstaltung anmelden will. 

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Museumsfoyer | © Draiflessen Collection, Foto/photo: Henning Rogge

Herzstück

Diese ungemein wichtige Schaltstelle, das Bindeglied zwischen den Besuchern und dem Museum, nennt sich in der Draiflessen Collection ganz pragmatisch „Besucherorganisation“. Es ist aber  so viel mehr – eher ein Herzstück des Hauses. Dieses bildet vor allem  Annette Nagelmann-Knuf, die unsere Besucher sowohl an der Kasse als auch am Telefon betreut. Sie ist diejenige, die unmittelbar mit den Besuchern in Kontakt ist, Fragen beantwortet und mit dafür sorgt, dass sie sich bei uns wohlfühlen. Und diese sind es, die unsere Ausstellungen ja erst durch ihre Anwesenheit und ihre Teilhabe vervollständigen.
Nicht nur als Mettingerin kennt sie Land und Leute sehr gut: Sie hat zuvor viele Jahre in der hiesigen Touristinformation gearbeitet, ist so für viele ein vertrautes Gesicht und dies mittlerweile nicht nur für die Einheimischen. Sie kommt direkt mit den Besuchern ins Gespräch und nimmt deren Reaktionen auf und Feedback zur Ausstellung entgegen. Für das übrige Team stellt sie damit eine wichtige Informationsquelle dar, wie Haus und seine Veranstaltungen ankommen, was wir gut machen, verbessern oder ändern könnten. Wir waren daher neugierig und haben sie gefragt, wie denn die Besucher reagieren, welche Fragen sie stellen – allgemein und speziell zu dieser Ausstellung. Was gefällt ihnen, was nicht? Und: Gab es vielleicht sogar ganz besondere Begegnungen oder Momente?

„So eine Architektur“

Annette Nagelmann-Knuf berichtet, dass gerade mit Einzelbesuchern oder Paaren durchaus mal längere Gespräche entstehen, da ist sicher auch ein Gespür für Menschen wichtig. Aufgefallen ist ihr, dass sich insbesondere die Stammgäste, die das Haus und seine Ausstellungen schon seit Jahren kennen, über die neuen, erweiterten Öffnungszeiten freuen: „Sie genießen es, dass man einfach so spontan vorbeikommen kann, ohne sich vorher anzumelden“. Und dies offenbar auch auskosten. Neue Besucher wiederum, die bislang weder Mettingen noch die Draiflessen Collection kannten, sind zuvor über Presse, Veranstaltungskalender oder Anzeigen auf die Ausstellung aufmerksam geworden. Sie zeigen sich, so Nagelmann-Knuf, erstaunt und beeindruckt, in diesem doch eher dörflich anmutenden Ambiente „so eine Architektur“, also einen sehr großzügigen Museumsbau mit fast 900 qm Ausstellungsfläche, vorzufinden.

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Draiflessen Collection | © Nattler Architekten

Wirkmächtige Grenze!?

Für den Einheimischen nicht verblüffend, sind es gerade auch Besucher aus dem direkt benachbarten Niedersachsen, sogar aus dem nur gut 20 Kilometer entfernten Osnabrück, für die das zu NRW gehörende Mettingen und die Draiflessen Collection neu sind. Es scheint tatsächlich  ausgerechnet hier eine „wirkmächtige Grenze“ zwischen den beiden Bundesländern zu verlaufen, wie mal ein Osnabrücker Kollege aus dem Kulturbereich angemerkt hat. Umso mehr freut es uns, wenn diese Besucher diese ignorieren, wiederkommen und uns im besten Fall weiterempfehlen, denn „Mundpropaganda“, so Annette Nagelmann-Knuf, sei ganz wichtig.

„Unbedingt herkommen!“

Seit gut einem Jahr veranstaltet die Draiflessen Collection den „MuseumsSpaß“, ein aktives museumspädagogisches Angebot für Kinder ab acht in den Schulferien, das rege angenommen wird. Eine Folge dessen sei, so erzählt Annette Nagelmann-Knuf, dass auch Großeltern ihre Enkel, die bei ihnen in den Ferien zu Besuch sind, dazu anmelden. Wenn sie es zuvor nicht bereits waren, werden sie dann über diesen Weg selber zu Besuchern der Ausstellung. Es sind eben nicht immer die Eltern diejenigen, die Kinder ins Museum und an die Kunst heran führen. So kam nach einen MuseumsSpaß ein Mädchen gemeinsam mit seiner Mutter, die erklärte: „Meine Tochter hat gesagt, ich müsse unbedingt herkommen“. Es war dann auch die Tochter, die ihre Mutter durch die Ausstellung „Dem Bild gegenüber“ geführt hat und ihr das erzählt hat, was sie am Tag zuvor selbst gehört hatte. Ein anderes Mädchen brachte bei einem erneuten Besuch der Ausstellung seine beiden Freundinnen mit und erläuterte ihnen ausführlich die Schwammskulptur von Yves Klein. Die nächste Generation von Guides wächst bereits heran, auf jeden Fall eine, für die das Museum ein Ort ist, an dem man Freude haben kann – und das ist eines unserer wichtigsten Anliegen.

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Museum | © Leon aus Mettingen

Jedes Mal neu

Wir wollten natürlich auch von Annette Nagelmann-Knuf wissen, wie unsere Besucher auf die aktuelle Ausstellung und das neue dialogische Führungsformat reagieren. Es gebe durchaus Besucher, die sich ohne Führung gerade bei dieser Ausstellung nicht leicht tun. Diese kommen wieder und nehmen dann sehr gerne eine Führung wahr, sind häufig hinterher sehr zufrieden: „Das war toll“. Manche kommen auch mehrmals zu einer Führung, denn es sei „jedes Mal eine ganz neue Führung“, da jeder Guide auf seine ganz eigene Weise führt und durchaus auch immer mal wieder anders. Dies ist besonders in dieser Ausstellung der Fall, die keine festen Laufwege vorgibt und bei der oft auch die Besucher mitgestalten, welche Objekte genauer angesehen werden (siehe auch Blog #6)

Annette Nagelmann-Knuf ist auch diejenige, die Besucher nach ihrem „Lieblingswerk“ befragt. Hierfür händigt sie ihnen einen Fragebogen aus, dessen Ergebnis dann die zu besprechenden Werke in einer Kuratorenführung am 21. Januar vorgibt. „Was, ich darf nur eines ankreuzen?“, komme dann oft als Reaktion – offenbar fällt es nicht ganz so leicht, sich hier festzulegen. Wenn dann die Besucher zum Schluss fragen, was denn „als nächstes“ komme – und das kommt häufig vor – ist das der Moment, wo wir ganz besonders das Gefühl haben, dass sich unsere Arbeit lohnt!

Natürlich wollten wir auch von Annette Nagelmann-Knuf wissen, was ihr Lieblingskunstwerk sei. Wen wundert es noch: Sie brauchte, ähnlich den Besuchern, ein wenig Bedenkzeit, da sich das im Laufe der Zeit verändere. Ihre Antwort fiel entsprechend aus: „Mein Lieblingskunstwerk ist zur Zeit die Madonna von Hans Leinberger, eine Bronzeplastik, um 1515 entstanden. Hier finde ich es schön, dass Jesus wirklich kindlich wirkt und nicht wie ein kleiner Herrscher. Er klammert sich wie ein normales Kind an seine Mutter und sie legt liebevoll haltend die Arme um ihn.“

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Hans Leinberger, Madonna, ca. 1515 | © Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Foto/photo: Antje Voigt, Berlin

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