Präsentation | 04.03.2020 – 25.10.2020

Lieblingsstücke Onkel Canterbumm – wie eine Werbefigur ins Archiv kam

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Das Depot der Draiflessen Collection beherbergt eine Vielzahl von Objekten und Schriftstücken aus Sammlung und Archiv, die eine besondere Geschichte erzählen, Lücken schließen oder eine wichtige Entdeckung darstellen. In der Reihe LIEBLINGSSTÜCKEwerden in loser Folge immer wieder einzelne dieser Schätze gehoben und zusammen mit ihren Geschichten präsentiert. In diesem Jahr stellen uns die Mitarbeiter*innen aus Archiv und Sammlung eine Auswahl ihrer Lieblingsstücke vor.

Die Figur des Onkel Canterbumm ist verknüpft mit der Zeitschrift „CANTERBUMM erzählt Euch was“. Die „C&A-Hausmitteilungen für seine kleinen Freunde und Kunden“, die sich in erster Linie an Schulkinder und ihre Familien richteten, lagen in den 1930er und 1950er-Jahren jeden Monat am Packtisch der C&A-Filialen für die Kunden beziehungsweise ihre Kinder bereit. Die Zeitschrift erschien zunächst von September 1936 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939. Herausgeber war C&A Brenninkmeyer in Berlin. Nach dem Krieg wurde die bereits in der Vorkriegszeit beliebte Kinderbroschüre ab Januar 1951 bis in das Jahr 1957 von der nunmehr in Düsseldorf ansässigen Firma wieder gedruckt.

Am Beispiel der Werbefigur Onkel Canterbumm erlaubt die Präsentation dem Besucher einen Einblick in die Archivarbeit. Dabei wird auf die Übernahme von unterschiedlichsten Quellen zu Onkel Canterbumm in das Archiv der Draiflessen Collection, ihre Bearbeitung zur Erhaltung des Originalzustands und die Erschließung mit Hilfe der Archivdatenbank eingegangen. Ein Archivglossar mit zentralen Definitionen aus der Archivwelt zieht sich durch die Ausstellung und hilft beim Verständnis der Präsentation. Zu den Highlights der Exponate gehören Hefte der Kinderzeitschrift „Canterbumm erzählt Euch was“, der Werbetrickfilm „Komm mit mein Schatz“ von dem Illustrator Johannes Maria Schneider (1911–2005) und seine handgezeichneten Entwürfe zur Bebilderung der Zeitschrift.

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Onkel Canterbumm, 1936-37 | © Draiflessen Collection

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Covers Canterbumm | © Draiflessen Collection

Die Kinderhefte der gutmütigen Werbefigur Onkel Canterbumm aus den 1930er- und 1950er-Jahren sind schon lange Lieblingsstücke für die Mitarbeiter*innen im Archiv der Draiflessen Collection. Als im Jahr 2015 eine Reihe von Originalzeichnungen des Grafikers Johannes Maria Schneider (1911–2005) als Schenkung in Mettingen einging, war die Freude entsprechend groß. Ein Archiv ist eine Einrichtung zur Aufbewahrung historischer Unterlagen von bleibendem Wert. Staaten, Städte, Kirchen und häufig auch Wirtschaftsunternehmen legen Archive an, um die zumeist schriftlichen Spuren ihrer Vergangenheit zu sichern.  

Die Originale vom Zeichentisch des in Mettingen geborenen Grafikers Johannes Maria Schneider wurden nach Erhalt zunächst in säurefreie Archivmappen gelegt, was in der Fachsprache „umbetten“ genannt wird. Ihre darauffolgende Aufbewahrung im Archivmagazin der Draiflessen Collection findet unter konstanten klimatischen Bedingungen statt, damit ihr Originalzustand möglichst lange erhalten bleibt. Die sichere Aufbewahrung von Schriftstücken, Fotos, Tonträgern und Filmrollen gehört zu den Aufgaben der Archive. Beschädigte Objekte werden behutsam restauriert und für die Lagerung im Archivmagazin vorbereitet – beispielsweise durch das Entfernen leicht rostender Büroklammern. Daneben gewinnt auch die Archivierung digitaler Daten bei der großen Vielfalt an Dateiformaten und Speichermedien immer mehr Bedeutung.  

Informationen zu den Canterbumm-Dokumenten wurden mit Hilfe einer Archivdatenbank aufgenommen. Dazu gehören der Titel, eine inhaltliche Beschreibung und sogenannte Schlagworte. Mit der Schlagwortsuche lassen sich dann Dokumente gezielt wiederfinden. Eine Archivdatenbank bildet einen Zugang für die im Archiv verwahrten Unterlagen. Die Suchfunktionen der Archivdatenbank erleichtern das Auffinden von Dokumenten unter verschiedenen Fragestellungen. Dabei werden die relevanten Dokumente beispielsweise durch die Benutzung von Schlagwörtern und Kategorien eingegrenzt.  

Ohne das Archiv der Draiflessen Collection wäre die Werbefigur Onkel Canterbumm heute vielleicht in Vergessenheit geraten. Die Auswertung der historischen Dokumente bildet eine wichtige Vorbedingung für die Erinnerung an die Vergangenheit. Aus diesem Grund widmete die Draiflessen Collection der Werbefigur im Jahr 2017 eine Ausgabe ihrer Schriftenreihe „OPEN UP!“ und stellte die Kinderhefte als Dokumente der Zeitgeschichte vor. Bei der Auswertung der in einem Archiv vorhandenen Dokumente werden Spuren der Vergangenheit aus der Perspektive der Gegenwart verglichen und interpretiert. Wie in einem Puzzle ergibt sich dabei aus vereinzelten Anhaltspunkten ein neuer Gesamteindruck.  

Hinter den Kulissen der Draiflessen Collection

Wer wollte nicht gerne schon immer mal wissen, was hinter den Kulissen von Archiv und Sammlung der Draiflessen Collection passiert?
Die derzeitige Präsentation in DAS Forum befasst sich nicht nur mit der Werbefigur des sympathischen Onkel Canterbumm sowie einer Schenkung aus dem Nachlass von Johannes Maria Schneider. Sie gewährt aber auch einen Einblick in die Archivarbeit in den Magazin- und Depoträumen der Draiflessen Collection.

Kom mit
Folie aus „Komm mit mein Schatz“, 1934 | © Draiflessen Collection
Filmtisch
Filmtisch zum Sichten von historischem Filmmaterial | © Draiflessen Collection

„Komm mit mein Schatz“ – der Film

Der Parcours beginnt mit einem der Herzstücke der Sammlung: dem Werbetrickfilm „Komm mit mein Schatz“ aus dem Jahr 1934, entworfen von Johannes Maria Schneider. Zusammen mit einigen Originalzeichnungen gelangte dieser 2015 als Schenkung nach Draiflessen. Nicht nur die originale Filmrolle, sondern auch die Filmfolien, die als Vorlage für die Filmstreifen dienten, konnte Draiflessen für seine Sammlung gewinnen. Da diese alten Filmmedien natürlich sehr empfindlich und auf den modernen Geräten nicht abspielbar sind, mussten sie zunächst digitalisiert werden. Somit ist nicht nur die Möglichkeit der Filmvorführung gewährleistet, sondern auch seine digitale Archivierung.

Konservatorische Maßnahmen zum Erhalt des historischen Filmmaterials

Nachdem der Film nun digitalisiert und somit zumindest inhaltlich für die Nachwelt im „Digitalen Archiv“ gesichert worden ist, musste das originale Filmmaterial ebenfalls konserviert werden. Dafür bestimmt man zunächst das Trägermaterial als solches, denn davon hängt ab, unter welchen Bedingungen es dauerhaft eingelagert werden kann. Wie macht man das?


Da die Mitarbeiter*innen aus Archiv und Sammlung selbst meist Archivar*innen oder Kunsthistoriker*innen sind, ist eine externe restauratorische Fachexpertise oft sehr hilfreich. Restaurator*innen spezialisieren sich ebenfalls auf die unterschiedlichen Gattungen und Materialien, z. B. Papier, Holz, Metall, Gemälde, Film und Fotografie. Jüngere Filmrollen, Fotografien und Schallplatten werden generell in einem eigens dafür klimatisierten Raum aufbewahrt, der eine durchschnittliche Temperatur von 18 °C, eine relative Luftfeuchte von 45% und, wie jeder Magazin- und Depotraum in Draiflessen, aus Brandschutzgründen eine sauerstoffreduzierte Atmosphäre von 15 % O2 aufweist. Kontrolliert wird dieser Zustand durch digitale Messapparate, aber auch mittels eines analogen Geräts zur Messung und Protokollierung der Lufttemperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit, dem sogenannten Thermohygrographen.

Für die historischen Filmrollen existiert noch eine gesonderte Kühlkammer innerhalb dieses Depotraums, in der lediglich 12 °C herrschen. Dies soll den natürlichen Zerfall des Materials Celluloid stark verlangsamen. Für die originalen Filmfolien aus den 1930er-Jahren gelten weitere Vorsichtsmaßnahmen. Nach einem chemischen Schnelltest der Filmrestauratorin mit Diphenylamin hat sich herausgestellt, dass diese aus Nitratcellulose bestehen – einem selbstentzündlichen und sehr fragilen Material. Sie mussten nun Folie für Folie in Archivkartons aus säurefreiem Papier umgebettet werden, in denen eine konstante Luftzirkulation gewährleistet ist. Zudem sollten rostige Büroklammern und ähnliches unbedingt entfernt werden – diesen Vorgang nennt man „enteisen“. 

Thermohygrograph
Thermohygrograph und Archivkartons im Magazin der Draiflessen Collection | © Draiflessen Collection
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Original-Illustration zur Geschichte „Der Eisbärkönig und das fremde Bärenkind“, Folge 1/2, 1954 | © Draiflessen Collection

Die Zeichnungen von Johannes Maria Schneider

Die eigens für die Präsentation gerahmten Zeichnungen aus den 1930er- und 1950er-Jahren bilden ein weiteres Highlight der Präsentation in DAS Forum. Inhaltlich dienten sie der Illustration von kurzen Geschichten, die in den Canterbumm-Heften abgedruckt wurden. Man mag, zurecht, über die Motive und Stories schmunzeln und sie kritisch beäugen, muss sie andererseits im historischen Kontext deuten. Auf die Aspekte zur fehlenden Political Correctness soll hier aber nicht weiter eingegangen werden, denn es geht in diesem Beitrag um die Konservierung und Archivierung der Exponate.

Was ist bei Zeichnungen auf Papier zu beachten? Zum einen wurden ja bereits die säurefreien Archivkartons und Mappen erwähnt – säurehaltiges Papier ist eine Folge des Herstellungsprozesses und einiger chemischer Zusätze seiner Leimung, die auf Dauer zersetzend wirken. Ein Problem ist, dass historische Dokumente  oder Zeichnungen selbst nicht säurefrei sind, weshalb man sie separat und unter konstanten klimatischen Bedingungen lagern muss. Die Raumtemperatur sollte idealerwiese 20 bis 22 °C betragen und die relative Luftfeuchtigkeit bei 50 bis 55 % liegen. Unbedingt zu entfernen sind, neben Metallklammern, Klebestreifen aller Art, da sie das Papier auf Dauer zusätzlich schädigen. Verpackungen oder Schutzhüllen aus Plastik sind ebenfalls tabu, da sich darin ein Mikroklima bilden kann – der perfekte Nährboden für Schimmel. Zudem verursachen die Weichmacher in Kunststoffen dauerhaft Schäden am Papier. Die originalen Zeichnungen für „Canterbumm erzählt Euch was:…“ wurden für die Präsentation in Passepartouts gelegt und nahezu kontaktfrei befestigt, sodass sie im Anschluss für eine Langzeitarchivierung im Depot gut vorbereitet sind. Kleinere Verunreinigungen entfernte die Papierrestauratorin mit einem sehr feinen Radierer. Um neuen Verschmutzungen vorzubeugen, sind eine saubere Umgebung und vor allem saubere Hände unabdingbar. Baumwollhandschuhe empfehlen sich nicht zum Hantieren mit Papier, da die Fasern der Handschuhe am Papier hängen bleiben können. Zudem hat man einfach keinen guten Griff. Eine Alternative sind Handschuhe aus Nitril oder Latex, um Ablagerungen von Schweiß, Schmutz und Körperfett auf dem Papier zu vermeiden (oftmals werden Fingerabdrücke erst nach Jahren auf Archivalien oder Kunstwerken sichtbar). Abschließend wurden die Zeichnungen behutsam gerahmt. Um Ausbleichungen und Verfärbungen zu verhindern, wurde die Lichtintensität der Ausstellungsbeleuchtung auf 50 Lux eingestellt.

Restaurierung
Die Papierrestauratorin bei der Arbeit: Rahmung einer Zeichnung von Johannes Maria Schneider | © Draiflessen Collection
Onkel canterbumm bunt
Onkel Canterbumm | © Draiflessen Collection

Onkel Canterbumm zum Ausmalen

... das könnt ihr sicherlich besser!

Magazin OPEN UP!

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