DAS FORUM | 11.11.2026 – 18.04.2027

SPITZE!
Eine Doppelausstellung

Spitze war im 16. und 17. Jahrhundert weit mehr als Zierde. Sie galt als Ausdruck von Luxus, Modebewusstsein und gesellschaftlichem Rang und kam besonders eindrucksvoll am Kragen zur Geltung.

In DAS Forum rückt ein Teil der Ausstellung Techniken zur  Herstellung und Pflege von Kragen sowie die Kunst der Nadel- und Klöppelspitzen ins Zentrum. Modelle, Videos und zeitgenössische Interpretationen machen die historische Handwerkskunst erlebbar und zeigen zugleich ihr kreatives Potenzial für die Gegenwart – von innovativen Materialexperimenten bis hin zu neuen Formen der Gestaltung.
Im Studiensaal beleuchtet die „Kragenmode“ anhand zweier bedeutender Porträtsammlungen: der Iconographie Anton van Dycks (1591–1641) aus der Liberna Collection sowie der Gemälde- und Miniatursammlung des Verlegerehepaares Frieda und Franz von Lipperheide, heute in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin.

Im Dialog mit den Porträts offenbaren historische Spitzen und Kragen ihre Kostbarkeit, zarte Haptik und meisterliche Kunstfertigkeit. Diese textilen Zeugnisse waren extrem aufwendig in Herstellung und Pflege, sündhaft teuer sowie durch strenge, gesetzliche Reglementierung ausschließlich der gesellschaftlichen Elite vorbehalten. Testamente und Inventare berichten, wie begehrt sie nichtsdestotrotz waren.

Eine besondere Verbindung schaffen die poetischen Werke der Künstlerin Gertrud Riethmüller. Sie verknüpfen Vergangenheit und Gegenwart, Luxus und Armut, Spitze und Hals und eröffnen neue Perspektiven auf die Bedeutung der traditionsreichen Klöppeltechnik.
Unbekannte Malerin/unbekannter Maler, Porträt der Sibylla, Elisabeth von Sachsen, 1604-1606 (Detail) | © Kunstbibliothek Berlin, Foto/photo: Felice Fornabaio