14.08.2019

Vier Fragen zum Glauben IV

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Blog  34
Projektion in der Ausstellung Glaube | © Draiflessen Collection, Foto: Angela von Brill

Glaube – ein Begriff, der gar nicht so leicht von individuellen Vorstellungen und Erwartungen zu trennen ist. Jeder hat sicher seine ganz eigene Idee davon, was Glaube für ihn persönlich bedeutet. Das ist womöglich auch unabhängig davon, ob man sich selbst als gläubig bezeichnen würde. Glaube wird für die allermeisten kaum von religiösen Gedanken und Praktiken zu trennen sein. Dennoch möchte sich unsere aktuelle Ausstellung ein Stück weit von herrschenden Vorstellungen und Gewohnheiten lösen – beziehungsweise zumindest eine Auseinandersetzung mit den eigenen Auffassungen anregen.
Vor dem Beginn der Ausstellung haben wir vier separate Gespräche mit Vertretern unterschiedlicher Glaubensrichtungen gesucht, um durch diese Interviews möglicherwiese ebenso diverse Sichtweisen zu dem Thema ins Spiel zu bringen. Daraus ist eine vierteilige Blog-Serie entstanden, welche in jedem Teil die Antworten von Imam Luqman Ahmad Shahid, Rabbi Avraham Radbil, dem evangelischen Pastor Kay-Uwe Kopton und dem katholischen Pastor Timo Holtmann zu je einer Frage wiedergibt. Die Blogbeiträge vermitteln über die Ausstellung hinaus einen Einblick in unterschiedliche Glaubensvorstellungen.


Alle vier religiösen Vertreter waren sich bei der Frage nach der Bedeutung der Begriffe Glaube, Liebe, Hoffnung einig, dass die Liebe einen besonderen Stellenwert in dieser Trias einnimmt. Glaube und Liebe sind offenbar für sie so eng miteinander verknüpft, dass sie sich kaum trennen lassen. Auch als es darum geht, ob sich die persönlichen Glaubensvorstellungen von der jeweiligen Position innerhalb der religiösen Gemeinschaft trennen ließe, herrscht Einigkeit: Nein, das ginge nicht. Während die Pastoren Holtmann und Kopton einen kontinuierlichen Weg von ihrer Kindheit bis ins Amt hinter sich haben, entwickelte sich der Wunsch, ihrer Glaubensgemeinschaft vorzustehen, bei Imam Shahid und Rabbi Radbil erst etwas später.


Mit der Frage, was unsere Gegenüber von einer Ausstellung mit dem Titel „Glaube“ erwarten, schließt das Gespräch und kehrt in gewisser Weise zum Ausgangspunkt dieses Blog-Projekts zurück: Was erwartet man von einer Ausstellung mit diesem Titel und werden diese Erwartungen am Ende erfüllt? Müssen sie das überhaupt?

Wie stellt man Glaube aus?

„Ja, was stellt man da aus?“, fragt Avraham Radbil erstmal zurück, schließlich sei Glaube etwas sehr Privates und Intimes und damit sicher schwierig darzustellen. Aber vielleicht würde man Darstellungen von Menschen zeigen, die ihren Glauben ausüben, wie sie beten zum Beispiel. Imam Shahid gibt direkt zu, er sei „noch ein Schüler beim Betrachten von Bildern“ und mache sich daher gar keine direkten Vorstellungen. Nur einen Wunsch habe er an eine solche Ausstellung: sie solle konkret beim Thema bleiben. Damit meint er, dass Glaube nichts sei was unbedingt illustriert werden solle, sondern viel mehr gefühlt und gelebt werden müsse – also: lieber wenige Bilder, aber dafür die Botschaft des Schöpfers spürbar machen. Auch Pastor Kopton würde sich erhoffen, dass die Wurzeln des Glaubens zu erkennen sind. Ebenso gespannt sei er aber auch, wie vielleicht das Religiöse über den Glauben hinaus beleuchtet wird. „Ich hoffe auf eine Horizonterweiterung“, meint er. Timo Holtmann gesteht augenblicklich, dass ihm alte Kunst sehr gut gefallen würde, wobei er auch moderne und zeitgenössische Werke interessant findet. „Kunst kann meiner Meinung nach ein Zugang zum Glauben und zu Gott sein, dafür muss sie aber die Freiheit haben, provozieren zu dürfen“, so der Pastor. Da er die Ausstellung bereits vor unserem gemeinsamen Gespräch besucht hatte, konnte er die letzte Frage nicht „unbelastet“ beantworten. Er habe sich aber vorher bewusst nichts vorgestellt, um Raum zu haben, etwas für sich entdecken zu können und überrascht zu werden. Viel mehr mochte er gar nicht sagen, weil er die Ausstellung noch einmal mit einer Führung besuchen wolle, um die Inhalte und Hintergründe der Exponate kennenzulernen.


 


Vielen Dank an Rabbi Avraham Radbil der jüdischen Gemeinde Osnabrück, an Imam Luqman Ahmad Shahid der Ahmadiyaa Muslim Jamaat und an die Pastoren  Kay-Uwe Kopton und Timo Holtmann aus Mettingen.

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