Sonderausstellung | 22.03.2020 – 21.06.2020

Hoffnung ... vorerst geschlossen! Teil 3 der Ausstellungstrilogie GLAUBE, LIEBE, HOFFNUNG

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Menschen machen sich Hoffnungen, halten an diesen fest, können die Hoffnung verlieren, neue Hoffnung schöpfen oder hoffnungslos verzweifeln. Was aber bedeutet Hoffnung?

Die Draiflessen Collection widmet sich im letzten Teil ihrer Ausstellungstrilogie GLAUBE, LIEBE, HOFFNUNG dem
Konzept Hoffnung als einem Prinzip der Offenheit gegenüber faktisch (noch) nicht verfügbaren Möglichkeiten. Künstlerische Positionen aus dem 20. und 21. Jahrhundert, darunter Arbeiten von Michael Buthe, Duane Michals und Fritz Winter, machen Mehrdeutigkeiten und mögliche Widersprüche deutlich: Ist Hoffnung das Vertrauen, dass „alles gut geht“ oder eher blinder Irrglaube? Ist sie stärkender Antrieb oder lähmt sie nicht sogar?

Die ausgestellten Werke zeigen, dass sich im Prozess des Hoffens die Grenzen von Wissen, Erfahrung und Bewusstsein verschieben, dass sie überschritten oder komplett aufgelöst werden können. Über das Medium Kunst wird die Hoffnung so zu einem Gegenstand der Betrachtung, Selbstbefragung und Diskussion.


Künstler*innen
Joseph Beuys, Lee Bul, Michael Buthe, Sofia Hultén, Wolfgang Mattheuer, Duane Michals, Anna Oppermann, Antoni Tàpies, Philippe Vandenberg, Fritz Winter

Zur Ausstellung erscheint ein dreisprachiger Katalog (deutsch, englisch, niederländisch).

Hoffnung homepage
Hoffnung | © Draiflessen Collection, Studio Carmen Strzelecki
  • Hintergründe zu HOFFNUNG
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  • Zum Werk „Hoffnung“ von Michael Buthe
  • Die Wandprojektion
  • Zur Ausstellungstrilogie GLAUBE, LIEBE, HOFFNUNG
  • Über die Arbeit von Philippe Vandenberg
  • Was ist Hoffnung?
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Michael Buthe, Hoffnung, 1982 | © Kunstmuseum Bonn (Dauerleihgabe Privatsammlung), VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Michael Buthe, Hoffnung, 1982

Als Basis für diese Arbeit wählte Buthe den Boden eines alten Weinfasses und überzog diesen mit Blattgold. Zusammen mit dem Kranz aus Federn weckt sein Bild von Hoffnung Assoziationen mit dem kraftvollen Motiv der Sonne. Im Kontext einer Ausstellung über die heilende Kraft von Kunst in den 1980er-Jahren beschrieb der Künstler diese Arbeit als einen „Gebrauchsgegenstand zum Sehen, zum Fühlen, zum Träumen, zum Sich-etwas-Klarmachen“. Er verriet auch, dass er sie am liebsten in einem Sterbezimmer aufgehängt sähe. Sterben bereitete ihm nämlich keine Angst, sondern er stellte es sich als einen aktiven Prozess der Transformation vor, einen Übergang von einem lebendigen Zustand in einen anderen.

© Kunstmuseum Bonn (Dauerleihgabe aus Privatsammlung), VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Joseph Beuys, Schlitten, 1969

Schlitten dienen in kalten, eisigen Regionen der Fortbewegung und auch der Rettung. Filz, Fett und Taschenlampe verweisen auf lebensnotwendige Dinge wie Wärme, Nahrung und Licht, die in Extremsituationen zu zentralen Hoffnungszielen werden können. Beuys sah im Material Filz mit seiner Eigenschaft, Wärme zu spenden und zu bewahren, zudem im übertragenen Sinne ein Mittel zur Heilung einer von ihm als kalt empfundenen egoistischen und konsumorientierten Gesellschaft. Auch das Motiv des Schlittens hat für ihn eine weiterführende Bedeutung: Er verknüpfte damit die uneingeschränkte Beweglichkeit des Geistes, die Menschen die Möglichkeit gibt, sich selbst und die Gesellschaft als Ganzes zu verändern.


Collection Thaddaeus Ropac, London • Paris • Salzburg © Joseph Beuys Estate/ VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Tom Carter/ Collection Thaddaeus Ropac, London • Paris • Salzburg

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Joseph Beuys, Schlitten, 1969 | © Joseph Beuys Estate / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 / Photo: Tom Carter / Collection Thaddaeus Ropac, London • Paris • Salzburg
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Lee Bul Cyborg W9, 2006 | © Ali Raif Dinckok Collection, Foto: Andrea Ferrari

Lee Bul, Cyborg W9, 2006

Bekannt sind Cyborgs vor allem aus der Welt der Science-Fiction. Buls weiblichem Cyborg fehlen Kopf und einzelne Gliedmaße. Diese Unvollständigkeit oder Versehrtheit steht in Kontrast zu der technischen Aufrüstung seines Körpers. Die Mischwesen aus Mensch und Maschine faszinieren die Künstlerin, weil sie die Sehnsucht nach Selbstoptimierung und Perfektion verkörpern und zugleich Ängste vor Manipulation und Entmenschlichung auslösen. Mit der Farbe und Haltung ihres Cyborgs weckt Bul bewusst Gedanken an antike Götterstatuen und rückt damit eine moderne Zukunfts- und auch Erlösungsvorstellung in die Nähe von Kultbildern der Vergangenheit.


Ali Raif Dinckok Collection © Ali Raif Dinckok Collection, Foto: Andrea Ferrari

Sofia Hultén, Immovable Object/Unstoppable Force (Berlin), 2011

Das Video zeigt die Künstlerin bei dem Versuch, Kraft ihrer Gedanken eine Straßenwalze zu bewegen. Dabei folgte sie Anleitungen zur Telekinese aus dem Internet wie „Fokussiere deinen Geist auf den Gegenstand“, „Spüre, wie deine Energie mit dem Gegenstand verschmilzt“ oder „Versuche, den Gegenstand nach rechts zu bewegen und drehe ihn dann nach links“ und „Sei bitte nicht besorgt, wenn du keine Bewegung siehst; sie findet sehr wahrscheinlich auf molekularer Ebene statt“. Humorvoll thematisiert Hultén die Vorstellung des Menschen, zukünftige Ereignisse beeinflussen zu können. Zugleich spielt sie mit seinem Bedürfnis nach eindeutigen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, die den Zufall ausschließen.


Besitz der Künstlerin und Daniel Marzona, Berlin © Courtesy of the artist and Daniel Marzona, Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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Sofia Hultén, Immovable Object / Unstoppable Force (Berlin), 2011 | © Courtesy of the artist and Daniel Marzona, Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn 2020
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Wolfgang Mattheuer, Ikarus erhebt sich II (Der sächsische Ikarus), 1990 Privatbesitz, Nordrhein-Westfalen | © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Wolfgang Mattheuer, Ikarus erhebt sich II (Der sächsische Ikarus), 1990

Ikarus ist in der griechischen Mythologie ein Antiheld, der auf der Flucht aus dem Labyrinth der Sonne so nahe kommt, dass das Wachs der konstruierten Flügel schmilzt und er schließlich abstürzt. Entstanden im Jahr der Wiedervereinigung Deutschlands zeigt Mattheuer in diesem Bild einen Ikarus, der nach dem Sturz seine Kräfte sammelt und wieder aufsteht. Handelt es sich dabei um ein Sinnbild für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach dem endgültigen Aus der DDR? Oder ging es Mattheuer eher um eine zeitlose Betrachtung der Erfahrung des Scheiterns? Ist Ikarus ein Held, weil er sich erneut in die Lüfte erheben will? Oder ist er ein Gefangener des Schicksals, weil er sein Ziel nicht aufgeben kann?


Privatbesitz, Nordrhein-Westfalen © Privatbesitz, Nordrhein-Westfalen/ VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Duane Michals, Grandpa Goes to Heaven, 1989

Mit Engelsflügeln auf dem Rücken erhebt sich der Großvater vom Totenbett, verabschiedet sich dann fröhlich von seinem Enkelsohn, bevor er das Zimmer durch das von hellem Lichtschein erfüllte Fenster verlässt. Michals verbildlicht in dieser Fotoserie das menschliche Bedürfnis nach Sinnzusammenhängen, die in der Konfrontation mit dem Tod eines geliebten Menschen Trost versprechen. Bei näherer Betrachtung ähneln die Engelsflügel jedoch vielleicht zu verdächtig einer Karnevalsrequisite. Plötzlich wird das Bild vom Tod als sanftem Abschied brüchig, und neben die heilende, vom Schrecken erlösende Vorstellung treten leise Zweifel an ihrem Wahrheitsgehalt.


DC Moore Gallery, New York © Duane Michals. Courtesy of DC Moore Gallery, New York

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Duane Michals, Grandpa Goes to Heaven, 1989 | © Duane Michals. Courtesy of DC Moore Gallery, New York
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Philippe Vandenberg, Over de berg loopt het spoor (The Track runs over the Mountain), 1995 | © Philippe Vandenberg Foundation, Courtesy Estate Philippe Vandenberg, Photo: Joke Floreal / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Philippe Vandenberg, Over de berg loopt het spoor (Die Spur führt über den Berg), 1995

Warum verläuft der Tunnel nicht durch den Fuß des Berges? Wieso stürzen die Schienen so abrupt nach unten? Wohin führen sie? Ein Text ergänzt das rätselhafte Motiv: „Der Tunnel ist gnadenlos, aber mit einem Ausgang, der die Dinge besser, aber nie definitiv machen kann“ (Übersetzung aus dem Französischen). Für Vandenberg war die Kunst ein Mittel, in der von ihm oft als bedrohlich und chaotisch empfundenen Welt Halt zu finden. Spiegelt sich in diesem Werk seine Verzweiflung über die Sinnlosigkeit allen Strebens nach Verbesserung, weil diese nie endgültig erreicht werden kann? Oder drückte er darin aus, wie wichtig es ist, nie aufzugeben, weil das Leben streckenweise eben doch sinnvoll ist?


Courtesy Estate Philippe Vandenberg © Philippe Vandenberg Foundation, Foto: Joke Floreal

Fritz Winter, Triebkräfte der Erde, 1944

Mal wirkt es so, als würden Lichtgestalten aus Schatten hervortreten oder Sonnenstrahlen das Dunkel aufbrechen. An anderer Stelle erinnern helle, kantige Formen an das Licht von Suchscheinwerfern. Die Serie Triebkräfte der Erde umfasst insgesamt über 40 Werke. Sie entstand innerhalb eines kurzen Heimaturlaubs des Künstlers, der ab 1939 unfreiwillig als Frontsoldat im Zweiten Weltkrieg kämpfte. In jeder einzelnen Arbeit spiegelt sich Winters starker Wille, den schrecklichen Erfahrungen des Krieges zu trotzen und über den Prozess des künstlerischen Gestaltens die verlorene Hoffnung auf eine Zukunft zurückzugewinnen.

Sammlung Lambrecht-Schadeberg, Museum für Gegenwartskunst Siegen

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Fritz Winter, Triebkräfte der Erde, 1944, Sammlung Lambrecht-Schadeberg, Museum für Gegenwartskunst Siegen | © Sammlung Lambrecht-Schadeberg, Museum für Gegenwartskunst Siegen © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
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Anna Oppermann, Paradoxe Intentionen (Das Blaue vom Himmel herunterlügen), 1988 – 1992 | © Nachlass Anna Oppermann und Galerie Barbara Thumm, Berlin, Foto: Hans Georg Gaul

Anna Oppermann, Paradoxe Intentionen (Das Blaue vom Himmel herunterlügen), 1988–1992

Mit dieser Arbeit widmete sich Oppermann in den letzten Jahren vor ihrem Tod der Beobachtung von widersprüchlichen Zielen des Menschen: Einerseits strebt er nach glaubhaftem Wissen, um die Welt in ihrer Komplexität besser begreifen zu können. Andererseits liebt er das Schöne oder auch Offensichtliche. In der raumgreifenden Installation treffen persönliche Notizen, Zeichnungen, Fotos und Objekte zusammen. Sie formen ein mehrdeutiges Bild, in dem das menschliche Begehren nach Sinn und Orientierung ebenso greifbar wird, wie die damit verbundene Möglichkeit, sich Trugbildern hinzugeben. Ein wiederkehrendes, zentrales Motiv bildet der Spiegel als Instrument der (Selbst-)Beobachtung.


Courtesy Nachlass Anna Oppermann und Galerie Barbara Thumm © Nachlass Anna Oppermann und Galerie Barbara Thumm, Berlin, Foto: Hans Georg Gaul

Antoni Tàpies, Bon dia, 1998

Für Tàpies waren religiöse Vorstellungen Antworten auf die Sehnsucht des Menschen nach der Verbindung mit etwas Größerem. Sein eigener Glaube beruhte auf einer tief empfundenen Offenheit für das Mystische oder Geheimnisvolle im Hier und jetzt. Die Kombination des weißen Tuchs mit den von oben ins Bild hineinragenden Füßen weckt Assoziationen mit Darstellungen des auferstandenen, über dem leeren Grab schwebenden Christus. Jedoch wird die Szene durch Topfdeckel ergänzt, die in diesem Kontext irritieren. Vielleicht sind die Topfdeckel in diesem ungewöhnlichen Andachtsbild ein Symbol für die Bedeutung alltäglicher Handlungen, Rituale oder auch Wunder bei der Suche nach Sinn und Orientierung.


Privatsammlung, Barcelona, Barcelona © Comissió Tàpies, VEGAP, Madrid 2020 / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Tapies
Antoni Tàpies, Bon dia, 1998, Privatsammlung, Barcelona | © Comissió Tàpies, VEGAP, Madrid 2020 / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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